Blog #052 – Fortsetzung


Die Bertelsmann Stiftung beschäftigt sich in dem Paper „Neue Orte des Arbeitens“ mit ebendiesen. Und siehe da: Neben Homeoffice und klassischem Büro identifizieren die Forscher mindestens 16 weitere Orte, die schon jetzt als Arbeitsplatz dienen.

Wenn 30 Stunden plötzlich Vollzeit ist

Hybrides Arbeiten meint „die Flexibilisierung der Arbeitszeit und des Arbeitsortes“, schreibt Businessinsider.de. Es geht also um weit mehr als die Frage „Homeoffice oder Büro?“ Es geht im Wesentlichen darum, Mitarbeiter·innen eine Vielzahl an Möglichkeiten zu bieten, um Berufs- und Privatleben ideal zu gestalten. Das Ideal kommt dabei aus der Mitarbeiterperspektive, nicht aus Unternehmenssicht.

Wie das aussieht, kann sich von Firma zu Firma ganz unterschiedlich gestalten. Das Düsseldorfer Unternehmen Sipgate zum Beispiel probierte sich im Januar 2021 an einer 30-Stunden-Woche bei voller Lohnfortzahlung. Schon länger verzichten die Mitarbeiter dort gänzlich auf Hierarchien und Titel. Es gibt aber auch keine Gehaltsverhandlungen und keine Überstunden. Ein individueller Ansatz, der für den Großteil der Konzerne sehr wahrscheinlich (noch) nicht in Frage käme.

Kann der Arbeitsmarkt so inklusiver werden?

„Die Art, wie Menschen arbeiten und mit ihrem Arbeitsplatz interagieren sowie die Art, wie Unternehmen künftig funktionieren, wird sich massiv verändern“, kündigen die Experten des Weltwirtschaftsforums auf ihrer Website an. Sie definieren sogleich fünf Kernthemen für die Zukunft der Arbeit: Arbeiten von überall, Arbeit für alle, Arbeit nach Bedarf, smartes Arbeiten und nachhaltiges Arbeiten.

Ohne im Detail auf die einzelnen Theorien einzugehen, wird beim Lesen klar: Der Arbeitsmarkt könnte vielfältiger werden. Und das ist eine ziemlich gute Nachricht! Das Prinzip „Ein Job an einem Arbeitsort mit festen Strukturen und 40 Wochenstunden zu definierten Zeiten“ ist ein Auslaufmodell. Arbeit wird individueller – was den Arbeitsort angeht, aber eben nicht nur auf den Raum der Arbeit bezogen.

Es kann auch bedeuten, dass Umzüge für den Traumjob seltener nötig werden, weil die Arbeit zu den Talenten kommt und nicht mehr umgekehrt. Die Idee des Job-Sharing fällt in diese Entwicklung, wenn sich zwei Teilzeitkräfte also eine Position teilen und so zum Beispiel Müttern bessere Karrierechancen ermöglichen. Oder aber Menschen können sich selbst erlauben, weitere Talente und Interessen auszuleben, weil der Hauptjob das eigene Dasein finanziert, ohne gleichzeitig die gesamte Zeit und Energie aufzubrauchen.

Voraussetzung ist funktionierende Technologie

Grundlegendste Voraussetzung dafür ist die Digitalisierung. Nur mit verlässlicher Technologie lässt sich sicherstellen, dass Kommunikation im Team stattfindet, dass Teamgefüge stabil bleiben und dass die Arbeit orts- und zeitunabhängig erledigt werden kann. Die andere Voraussetzung muss in den Köpfen der Führungskräfte existieren. Denn sie müssen viel Neues lernen – und loslassen.

Führen und Teambuilding auf Distanz, Informationen gleichmäßig verteilen, Möglichkeiten für Begegnungen schaffen: Das sind nur einige Beispiele, die neu gedacht werden müssen. Hinzu kommt der bereits erwähnte Kulturwandel. Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter·innen scheint für manch einen die größte Herausforderung dabei.

Die Büros der Zukunft sehen anders aus

Durch die steigende Selbstverantwortlichkeit wird sich das Arbeiten noch stärker am Ergebnis orientieren als bisher. Das heißt genauso, dass es Kollegen geben darf, die weiterhin täglich ins Büro gehen und feste Arbeitszeiten brauchen. Das Ziel sind hybride Modelle, nicht möglichst lose Konzepte für alle. Büros werden in den kommenden Jahren also nicht abgeschafft. Ihre Erscheinungsform und die Anforderungen an sie werden sich aber ändern.

Quellen:

https://www.weforum.org/agenda/2021/01/5-themes-that-will-define-the-future-of-work/

https://www.deutsche-startups.de/2020/11/25/arbeitsmodell-zukunft/

https://www.personalwirtschaft.de/der-job-hr/arbeitswelt/artikel/mitarbeiter-bevorzuge-hybride-arbeitsplatzmodelle.html

https://www.mckinsey.de/en/our-insights/the-next-normal-arrives-trends-that-will-define-2021-and-beyond

https://www.wuv.de/wuvplus/30_stunden_woche_bei_vollem_lohn_geht_das

Bertelsmann Stiftung: Arbeit 2050: Drei Szenarien

Bertelsmann Stiftung: Neue Orte des Arbeitens

https://www.businessinsider.de/karriere/krise-wie-corona-entscheidungen-in-unternehmen-beschleunigt/

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