Blog #056 – Fortsetzung


Schon vor Corona war offensichtlich, dass die Arbeitswelt in einer tiefen Depression steckt: Denn die Art zu arbeiten, wie wir sie kennen, macht uns krank. Wir haben das Gefühl, in einer gigantischen Maschinerie gefangen zu sein. Bloß noch Teil eines großen Ganzen, das wir nicht mehr durchschauen können. Wir sind kaputt. Wir sind müde. Wir fühlen uns fremdbestimmt. Einer äußeren Taktung unterworfen, die uns nicht natürlich erscheint. Zu viele Menschen leben nur noch für das nächste Wochenende. Für den nächsten Sommerurlaub. Vielleicht sogar schon für die Rente. Wir fühlen uns gelähmt.

Corona hat uns gezeigt, dass es auch anders geht. Plötzlich ist eine andere Art von Arbeit möglich: Homeoffice, Zoom-Konferenzen („Zoomys“), digitale Projektrealisierungen. Dabei hieß es doch lange, dass die Arbeit, wie wir sie machen, alternativlos sei. Vorweggenommen: Das ist sie nicht. Von der Tristesse unserer gegenwärtigen Arbeitswelt hin zu den verheißungsvollen Ufern der New Work ist es gar nicht so weit, wie es scheinen mag. Im Gegenteil. Die Krise hat uns eindrucksvoll gezeigt, dass wir uns längst aus dem Baukasten der New Work bedienen können, ohne Einbußen zu haben. Immer mehr Menschen spüren das. Während des Lockdowns haben viele in sich hineingehorcht und beschlossen: Jetzt reicht’s! Wir können und wollen so nicht mehr weitermachen! Einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag von Acer zufolge würden 75 Prozent der befragten Deutschen auch nach der Pandemie gern weiterhin von zu Hause aus arbeiten. Und das ist erst der Anfang.

Ich bin überzeugt, dass der Gesellschaft ein Umbruch bevorsteht. Der Mensch als Ganzes rückt wieder in den Vordergrund, weil die Zukunft nur mit gesunden und glücklichen Menschen möglich ist und weil nur Menschen die Komplexität unserer Welt bewältigen, Probleme lösen und aktiv gestalten können. Der Mensch ist das wichtigste Potenzial der Wirtschaft. Mit der Intervall-Woche möchte ich den Fokus wieder auf ihn und seine biologische Taktung richten. Was genau ist damit gemeint?

Die Organuhr der traditionellen chinesischen Medizin

Der Wissenschaftszweig der Chronobiologie hat entdeckt, dass jeder Mensch eine innere Uhr besitzt. Diese innere Uhr gibt ihm einen bestimmten Rhythmus vor. Wer es schafft, im Einklang mit diesem Rhythmus zu leben, der setzt ungeheure Energien frei. Wir aber haben unsere inneren Uhren völlig aus dem Takt gebracht. Und das erschöpft uns, zehrt an unseren Kräften. Warum also nicht die Arbeit den eigenen Intervallen anpassen?

Klingt illusorisch? Ist es aber nicht. Im Gegenteil! Es ist ganz einfach. Man muss nur das Grundprinzip verstehen. Und seine eigenen Intervalle analysieren. Denn je nach Intervalltyp – der Intensive, der Traditionelle, der Flexible oder der Engagierte – variieren die jeweiligen Stärken, Schwächen und Bedürfnisse. Diese müssen mit den äußeren Rhythmen – vor allem dem Arbeitsleben – in Einklang gebracht werden. Das wird nicht von heute auf morgen gehen. Und das ist auch gar nicht nötig. Es kann nicht jeder im Homeoffice arbeiten oder sofort in Teilzeit gehen. Wichtig ist, dass wir erst einmal ein Bewusstsein für unsere Intervalle entwickeln und nach und nach unser Leben darauf einstellen.

Wenn wir es schaffen, unseren Arbeitsalltag mit den bestehenden Intervallen zu synchronisieren, werden wir ein besseres Leben führen. Wir werden in der Lage sein, bei sehr viel weniger Arbeit sehr viel mehr zu leisten. Wir werden uns selbstbestimmter fühlen. Gesünder. Fitter. Wacher. Und es wird ein Anfang sein. Ein erster Schritt zu einer großen Änderung – und zu einer Arbeitswelt der Zukunft, die den Bedürfnissen unserer modernen Gesellschaft entspricht. New Work ist das Versprechen, dass wir uns nicht mehr zum Werkzeug der Arbeit machen, sondern die Arbeit als ein Werkzeug nutzen, um uns selbst zu verwirklichen. New Work ist die Entkoppelung von Arbeitsort, Arbeitszeit und Arbeitsdauer. Und die Intervall-Woche ist der Schlüssel dazu. Auch im Sinne der Unternehmen: Sie werden statt kranker, unmotivierter und unausgeschlafener Mitarbeiter eine ganz neue Produktivität und ein neues Wachstum erfahren.

Wenn wir beginnen, nach unserer eigenen Biologie zu leben, können wir die bisherige Arbeitswelt komplett auf den Kopf stellen und den Status quo verändern. Jeder einzelne Mitarbeiter in einem großen Unternehmen kann etwas verändern! Jeder kann der erste Dominostein sein, der eine Kettenreaktion auslöst! Die Voraussetzungen waren noch nie so gut wie jetzt. Arbeitest du noch oder lebst du schon?

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