Blog #058 – Fortsetzung


Keine Perspektiven ohne Reskilling

Schon heute haben viele Entscheidungstragende erkannt, dass Skills, also Fähigkeiten, die Währung der Zukunft sind. Sie sind das Wertvollste, das Arbeitnehmer besitzen. Mariénne Jamme, Gründerin und CEO der iamtheCODE Initiative, ging sogar so weit, Skills als das neue Öl zu bezeichnen. Der Unterschied: Öl ist eine vergängliche, unwiederbringliche Ressource, die nur wenige besitzen. Durch die richtigen Programme und Initiativen stehen Skills hingegen jedem Menschen auf der Welt zur Verfügung. Nicht umsonst rief das WEF im vergangenen Jahr die Initiative „Reskilling Revolution“ ins Leben und setzte sich dabei zum Ziel, bis 2030 weltweit eine Milliarde Menschen zu „reskillen“ – also mit neuen Fähigkeiten auszustatten.

Warum das notwendig ist? Wir sehen schon heute klare Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, die einen Wandel aufzeigen. Diese Entwicklungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Digitalisierung. Laut dem „The Future of Jobs Report 2020“ des WEF gehören Jobprofile wie Data Analyst oder Software Developer zu den meistgefragten der kommenden Jahre – und das global über alle Branchen hinweg. Viele andere Berufe werden durch technische Innovationen aber überflüssig werden.

Potenziale nutzen, Menschen überzeugen

Blicken wir auf Deutschland: Wie sieht es bei uns aus? Derzeit leiden vor allem solche Berufszweige, die noch fernab der Digitalisierung stattfinden. Ein Vorbote für das, was uns in den kommenden zehn Jahren blüht – auch ohne Pandemie. Allein in der Automobilindustrie werden in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich rund 410.000 Jobs der Digitalisierung zum Opfer fallen. Gleichzeitig entwickeln sich aber auch neue Jobprofile, für die Arbeitnehmende allerdings entsprechend neu qualifiziert werden müssen. Es ist auch finanziell wesentlich lohnenswerter, als Menschen zu entlassen, die nicht länger das richtige Skillset für ihren Job besitzen.

Genau diese Entwicklung illustrierte Alain Dehaze, CEO The Adecco Group, in einem Redebeitrag zum Thema „Skilling The Global Workforce“: Es kostet etwa 38.000 US-Dollar, einen Mitarbeiter zu „reskillen“, während die finanzielle Belastung für die Gesellschaft bei einer Entlassung und den dazugehörigen Konsequenzen bei gut 100.000 US-Dollar liegt – also fast dreimal so hoch ist. Das dürfte Entscheidende aus Politik und Wirtschaft mehr als überzeugen.

Um aber eben auch betroffene Arbeitnehmende ins Boot zu holen und Vorbehalte zu nehmen, arbeiten Karriere-Plattformen wie LinkedIn an innovativen Lösungen. CEO Ryan Roslanski stellte dazu in einem Konferenzbeitrag den „Career Network Explorer“ vor, mit dem Interessierte ihr eigenes Skillset mit den Anforderungen von Jobprofilen abgleichen können. Zusätzlich soll das Tool auch aufzeigen, durch welche Reskilling-Maßnahmen die passende Qualifizierung für den angestrebten Job möglich sind. Genau diesen Weg müssen wir gehen!

Fazit: Die Anreize sind da – die richtige Nutzung ist entscheidend

Wer trägt dann aber die Kosten für Reskilling? Die Politik schafft bereits attraktive Anreize: Laut Qualifizierungschancengesetz (QCG) und Arbeit-von-morgen-Gesetz übernimmt die Bundesagentur für Arbeit bei großen Unternehmen etwa die Hälfte, bei kleinen und mittleren Unternehmen sogar bis zu 100 Prozent der Reskilling-Kosten. Inbegriffen sind nicht nur die eigentlichen Ausgaben für Maßnahmen, sondern auch die anfallenden Lohn- und Gehaltskosten. Damit ist jedes Reskilling-Projekt quasi vom Start weg Cashflow-positiv. Doch noch viel zu wenige wissen bisher davon.

Mein persönlicher Appell geht daher an die Bundesregierung: Bringen Sie Reskilling endlich auf die Agenda aller Wirtschaftsentscheidenden, schaffen Sie schon heute Tatsachen! Und investieren Sie damit in die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Denn Skills sind die Währung der Zukunft – wer sie hat, kann seine Position in der Arbeitswelt von morgen nachhaltig verbessern.

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