Blog #066 – Fortsetzung


Souverän auf hochpolitischem Parkett

Wie ist es nun möglich, sich auf diesem hochpolitischen Parkett souverän zu bewegen? Machen Sie es wie beim Arbeitsbeginn in einem neuen Unternehmen: Wenn sie dort Ihren ersten Arbeitstag haben, ist es ganz selbstverständlich, dass Sie erst einmal beobachten und schauen, wie man sich hier verhält. Sie schnuppern in die Unternehmenskultur, versuchen den tatsächlich gelebten Werten und Spielregeln auf die Spur zu kommen.

Auch wenn Sie ins Topmanagement gelangen, sollten Sie zunächst beobachten, welche Gepflogenheiten hier herrschen – selbst dann, wenn Sie dem Unternehmen seit vielen Jahren angehören. Vielleicht sogar GERADE dann, denn die Gefahr, dass man einfach so weitermacht wie auf der Karrierestufe vorher ist in dem Fall wesentlich höher. Bitte versuchen Sie auch nicht vorzuspielen, dass Sie sich in dieser Welt auskennen, wenn dem nicht so ist. Das erzeugt höchstens Provokation bei „den alten Hasen“. Nehmen Sie sich stattdessen ganz bewusst Zeit, sich auf die neue Welt vorzubereiten und schrittweise einzutreten.

Analysieren Sie die für Sie relevanten Personen hinsichtlich Einfluss, Interessen und Zielen sowie die Beziehungen dieser Personen untereinander. Nehmen Sie auch Ihr Bauchgefühl ernst: Ist Ihr Gegenüber echt? Stimmen Handlung und Stimme überein? Was sagt seine oder ihre Körpersprache? Je mehr Sie Ihre Intuition trainieren, desto verlässlicher sind „von innen“ kommende Informationen.

Die typischsten Anfängerfehler im Topmanagement

Wenn Sie dann noch die typischen Fettnäpfchen vermeiden, stehen die Chancen gut, dass Ihnen die Metamorphose von der Führungskraft zum strategisch denkenden und politisch handelnden Topmanager gelingt.

Fehler 1: Sich auf vertraute Werte, Erwartungen und Regeln verlassen

Im mittleren Management sind ehrliches Feedback und konstruktive Kritik entscheidende Erfolgsfaktoren. Es zählen Werte wie Berechenbarkeit, offene Kommunikation und Klarheit – denn damit, so hat sich nun einmal erwiesen, lassen sich die hier anstehenden Aufgaben am effektivsten lösen. Auf diese Weise lässt sich eine Mannschaft am besten führen und zu Leistungen und Ergebnissen bringen.

Auch wenn es nun naheliegt, diese vertrauten und über viele Jahre erfolgreichen Regeln weiterhin anzuwenden, kann dies beim Aufstieg ins Topmanagement ein Fehler sein. Denn Leistung wird hier – wie beschrieben – anders definiert. Natürlich ist auch die Führungskultur im Topmanagement Veränderungen unterlegen, und es findet zunehmend auch ein Kulturwandel statt. Im Großteil der Unternehmen gelten aber noch die alten Regeln, und es ist wichtig, dafür frühzeitig sensibilisiert zu sein.

Fehler 2: Mit dem Vorgesetzten das Gespräch auf Augenhöhe suchen

Im Mittelmanagement sind Sie es wahrscheinlich gewohnt, auch mit Ihrem Vorgesetzten das Gespräch auf Augenhöhe zu suchen. In der obersten Etage kann das ein gravierender Fehler sein und Ihr Gegenüber vor den Kopf stoßen. Der hier gültige Verhaltenskodex verlangt es, den höheren Rang des anderen in besonderem Maße zu respektieren. Gespräche auf Augenhöhe finden daher in der Regel nur zwischen gleichrangigen Partnern statt. So können Vorstände zueinander durchaus Zugehörigkeit und Vertraulichkeit schaffen. Anders verhält es sich, wenn ein Vorstand mit dem Vorstandsvorsitzenden spricht. Auch Führungskräfte der zweiten Führungsebene, deren Vorgesetzte der obersten Ebene angehören, sollten den Rangunterschied beachten und nicht wie selbstverständlich den Kontakt auf Augenhöhe suchen.

Fehler 3: Offenes und direktes Feedback geben

So angebracht es im mittleren Management ist, in der Top-Etage ist es ein Fehler: das offene, direkte Feedback. Im Topmanagement ist ungeschminktes Feedback tabu, wohl auch deshalb, weil sich das Gegenüber dadurch häufig angegriffen fühlt. Erkennbar ist der Fauxpas meist sehr schnell: Anstatt auf das Feedback einzugehen, steigt der Gesprächspartner sofort aus der Situation aus.

Die Regel lautet deshalb: Vermeiden Sie direktes Feedback, kritisieren Sie niemals Ihren Vorgesetzten. Versuchen Sie stattdessen, sein Verhalten durch Empathie zu beeinflussen. Versetzten Sie sich in seine Lage, versuchen Sie, seine Gefühle und Wünsche zu erkennen.

Fehler 4: Ausschließlich fachlich argumentieren

Auf den oberen Ebenen zählt emotionale Überzeugungskraft – erst dann folgen die Argumente. Deshalb ist es ungünstig, ausschließlich durch Zahlen, Daten und Fakten überzeugen zu wollen. Wieder kommt es darauf an, die Wünsche und Anliegen des Gegenübers zu erkennen – und dann die Argumentationsstrategie mit Blick auf dessen Bedürfnisse aufzubauen. Um ein Ziel zu erreichen, formulieren Sie also zuerst das Anliegen des Gesprächspartners, das Sie dann mit sachlichen Argumenten untermauern.

Fehler 5: Die eigene Person über die Rollenerwartung stellen

Im Topmanagement wird konsequent zwischen Rolle und Person unterschieden. Wer sich hier bewegt, hat sich an die Regeln seiner Rolle zu halten – so verlangt es der ungeschriebene Verhaltenskodex. Daher: Unterscheiden Sie zwischen Person und Rolle – und achten Sie darauf, die für Ihre Rolle gültigen Regeln einzuhalten. Natürlich zählt auch im Topmanagement die Person – und es wäre falsch, sich nun „verbiegen“ zu wollen und die eigene Authentizität aufs Spiel zu setzen. Dennoch ist es wichtig, die Rollenerwartungen zu kennen und sich – so weit es geht – damit zu arrangieren.

Fehler 6: Ausbleibende Kritik als Zustimmung interpretieren

Die unausgesprochene Regel, dass in der Top-Etage nicht kritisiert werden darf (siehe Regel 3), kann für den Betroffenen unangenehme Folgen mit sich ziehen: Er ahnt womöglich nicht, dass er längst in Ungnade gefallen ist. Keiner informiert sie oder ihn und es liegt nahe, die ausbleibende Kritik als Zustimmung zur eigenen Leistung zu interpretieren. „Wenn man mit mir unzufrieden wäre, würde man es mir doch sagen“ ¬– ein gefährlicher Trugschluss, der einem schnell den neuen Job wieder kosten kann.

Achten Sie deshalb auf andere Signale, aus denen Sie schließen können, wie Ihre Leistung ankommt. Die Wertschätzung des Vorgesetzten erkennen Sie zum Beispiel daran, dass er sich Zeit für Sie nimmt.

Fehler 7: Davon ausgehen, dass ein Topmanager stets meint, was er sagt

Im mittleren Management können Sie üblicherweise davon ausgehen: Was der andere sagt, meint er auch so. Die Kommunikation ist auf Vertrauen ausgerichtet, offen und transparent. Auf der Top-Ebene hingegen gibt es zwei Kommunikations-Ebenen. Das besondere Problem liegt darin, dass eine Botschaft hier beides sein kann – ehrlich gemeint oder doppelbödig. Daher gilt die Regel: Vertrauen Sie nicht blind dem Gesagten.

Karrieretipps fürs C-Level

Sie müssen diese „Attitüden“ der Teppich-Etage nicht gut finden. Aber ich verspreche Ihnen: Es hilft, diese Karriere-Tipps zu kennen, um wachsam zu sein. Wenn Sie Glück haben, ist Ihr Unternehmen bereits so modern geführt, dass Sie auch an der Unternehmensspitze wie im mittleren Management agieren können. Ich wünsche es Ihnen!

Falls nicht, dann wissen Sie jetzt ganz genau, welche Fehler Sie vermeiden können, um sich auch auf hochpolitischem Parkett sicher und souverän bewegen zu können. Nur so können Sie Ihre Ideen verwirklichen und etwas bewegen.

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