Blog #098 – Fortsetzung


Wer andere Ideen unterstützt, steigert seinen eigenen Status

Dieser jemand ist aber nicht Ihr Chef oder ein Kollege, der im Status über Ihnen steht, sondern jemand, der im Team bisher eher auf einer niedrigen Stufe steht – vielleicht, weil er jünger ist oder erst seit Kurzem im Unternehmen arbeitet. Was tun Sie? Nutzen Sie Ihren Beitrag dazu, einen eigenen Vorschlag einzubringen? Oder unterstützen Sie den Vorschlag des Kollegen, der vor Ihnen zu Wort gemeldet hat?

Viele von uns werden sich im Zweifel dafür entscheiden, einen eigenen Vorschlag zu präsentieren. Der Grund: Wir glauben, dass dies unsere Anerkennung durch Kollegen und den Vorgesetzten steigert. Eine neue Studie zeigt allerdings, dass wir hier falsch liegen! Wer den Beitrag einer anderen Personen unterstützt und dabei explizit die andere Person nennt, steigert dadurch seinen eigenen Status und den Status der anderen Person in der Gruppe.

Die Wissenschaftler um die amerikanische Organisationsforscherin Tamar Kreps fanden in einem groß angelegten Experiment mit über 1000 Teilnehmern heraus, dass die öffentliche Unterstützung der Idee eines anderen sich positiver auf unseren Status auswirkt, als wenn wir einen anderen Vorschlag machen, nichts sagen, oder auf einen Vorschlag verweisen, den wir bereits gemacht hatten.

Teamwork ist kein Nullsummenspiel

Interessanterweise spielt es keine Rolle, ob die andere Person, deren Vorschlag wir unterstützen, einen hohen oder einen niedrigen Status im Team hat. Und: Auch wenn jemand mit einer hohen Position im Team den Vorschlag eines Kollegen mit niedrigem Status unterstützte, hatte das positive und keine negativen Auswirkungen auf seine Position.

Dieses Forschungsergebnis fasziniert mich, da es so direkte Konsequenzen für unseren Arbeitsalltag hat. Jeder von uns weiß, wie es sich anfühlt, wenn sich in einem Team mehrere Personen mit ihren Vorschlägen profilieren wollen. Und obwohl wir es vielleicht abstrakt besser wissen, fühlt sich die Situation oft nach einem Nullsummenspiel an: Je mehr ein anderer seine Vorschläge präsentieren kann, je mehr Unterstützung er dafür erfährt, desto schlechter für mich.

Statusdenken macht Unternehmen weniger agil und erfolgreich

Die Ergebnisse des Experiments von Tamar Kreps und Kollegen machen aber auch einen zentralen Mechanismus deutlich, der dafür sorgt, dass es vielen Unternehmen nicht gelingt, agiler und innovativer zu werden. Unternehmen sind immer stärker darauf angewiesen, in einer dynamischen Umwelt frühzeitig die richtigen Entscheidungen zu treffen – und zugleich schnell auf unerwartete Entwicklungen reagieren zu können. Das gelingt nur, wenn sie konsequent die Vielfalt der Erfahrungen, Hintergründe und Meinungen ihre Mitarbeiter nutzen.

Oft stützen sich die Entscheidungen, die in einem Unternehmen getroffen werden, aber auf die Einschätzungen einer kleinen Zahl von Personen mit hohem Status, die in einer Gruppensituation primär ihre eigenen Gedanken artikulieren. Und zwar, weil sie glauben, dass dies ihren Status festigen würde.

Tatsächlich führt dies aber dazu, das eine große Vielfalt an Einschätzungen und Ideen schlichtweg überhört wird, weil sich keine der statushöheren Personen traut, diese zu verstärken – aus Angst davor, dass dies die eigene Position unterminieren könnte. Damit schaden sie aber nicht nur ihrem Unternehmen, weil es mit einem zu engen Blick gesteuert wird, es nutzt ihnen noch nicht einmal selbst!

Deshalb meine zwei Empfehlungen:

1. Wenn Sie sich regelmäßig in Teamsituationen befinden, in denen Sie zu den Teammitgliedern mit eher geringerem Status gehören – etwa weil Sie erst vor kurzem den Job in der Firma begonnen haben –, versuchen Sie in Ihren Redebeträgen die Ideen von Kollegen zu unterstützen. Insbesondere der Kollegen, die auch über einen eher niedrigen Status verfügen. Und sorgen Sie dafür, dass die es Ihnen gleichtun und Ihre Beträge verstärken. Dabei geht es nicht um geheime Absprachen, sondern eher die richtige Form des Blickkontaktes. Das gelingt Ihnen sicher nicht sofort, aber – das bestätigt die Forschung – über den Verlauf mehrere Meetings wird es Ihnen gelingen. Und so können Sie Ihren Status im Team sukzessive steigern.

2. Gehören Sie in Teamsituationen üblicherweise zu denen mit hohem Status, so nehmen Sie sich ab jetzt für jedes Meeting explizit vor, in einem Ihrer Redebeiträge eine Vorschlag eines Kollegen zu unterstützen, der einen geringeren Status hat als Sie. Auch wenn Ihnen das am Anfang komisch vorkommen wird, weil Sie vermeintlich die Chance vergeben, sich mit einem eigenen Vorschlag zu profilieren: Sie werden im Ergebnis Ihren Status steigern und zugleich Ihrem Unternehmen zu mehr Erfolg verhelfen.

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