Blog #099 – Fortsetzung


Warum Shopfloor-Manager den Umgang mit Daten lernen müssen

„Meister und Führungskräfte werden mehr und mehr zu Datenmanagern“, sagt Heiko Weber, Partner bei Berylls Strategy Advisors. Sie müssen aus Data Lakes und Industrial Clouds jene Informationen ziehen, durch die die Produktion optimiert wird – und dafür in der Lage sein, die richtigen Fragen zu stellen. „Das ist eine ganze neue Denkweise“, unterstreicht Weber. Doch egal wie datengetrieben das SFM künftig auch sein wird, eines, da ist sich Weber sicher, wird bleiben: „Menschen werden Menschen führen.“ Nur eben anders als bisher. Kompetent mit großen Datenmengen umgehen, kann man lernen. Was sich weniger gut lernen lässt, ist ein Gespür dafür, wen man wo in einer zunehmend agilen Arbeitswelt in der smarten Fabrik einsetzt.

Denn Hierarchien werden sich zunehmend auflösen, ist Weber überzeugt: „Nicht zuletzt, weil beispielsweise Mitarbeiter am Band in ihrem Bereich unter Umständen digital versierter sein werden als der Meister.“ Daher sollten sie und andere Führungskräfte bereit sein, von Werkern zu lernen. „Grundsätzlich muss sich das Führungsverhalten ändern, wenn Hierarchien eingeebnet werden“, sagt Ralf Bechmann, Partner bei ROI Management Consulting, „Führungskräfte sollten sich als Coach in der Produktion begreifen.“

Das erfordere eine gewisse geistige Flexibilität sowie die Bereitschaft, alle Möglichkeiten eines datenbasierten SFM zu nutzen.

Erfolg auf dem Shopfloor erfordert Flexibilität und Fehlertoleranz

Auch in anderer Hinsicht ist Flexibilität gefragt. Beispiel Co-Bots. Streikt heute ein Fertigungsroboter in seinem Käfig wird ein Instandhalter zur Hilfe gerufen, der anschließend die Verantwortlichen für Instandhaltung und Planung ins Gebet nimmt. Arbeiten jedoch Werker und Roboter zusammen, wird Kollege Mensch direkt eingreifen müssen: „Er muss gewissermaßen Verantwortung für die Maschine übernehmen“, sagt Weber. Wofür er deutlich mehr Knowhow braucht als heute. Sich dies anzueignen und klarzumachen, wer wann wofür verantwortlich ist, und wie gut die Informationen fließen, ist eine der zentralen Aufgaben eines Shopfloor-Managers. Wer hier patzt und es mit dem hergebrachten Dreiklang aus Anweisung, klassischer Aufgabenteilung und Kontrolle versucht, wird seine Mannschaft kaum in die Zukunft der smarten Produktion führen.

Ebenso wichtig für die gelungene Transformation: „Eine Unternehmenskultur, die auf Mut, Neugier, Wille zum Lernen und Fehlertoleranz setzt“, erklärt Christian von Stengel, CEO von Germanedge, „In einem solchen Umfeld fällt es leichter, sich auf neues Terrain zu begeben. Wenn dann auch noch nicht nur strategisch, sondern auch technologisch in Form von intuitiven Oberflächen der Mensch in den Mittelpunkt gestellt wird, wird die Transformation greifbar.“ Und die positiven Effekte sichtbar: So sieht Weber die Teams auf dem Shopfloor entlastet, weil sie unter anderem weniger manuell kontrollieren und Papierberge produzieren müssen.

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