Blog #116 – Fortsetzung


Ich berate und coache Führungskräfte in Change-Projekten. Change ist – gerade am Anfang – schwer für viele Beteiligte. Im Laufe des Change ist es immer wieder konfus und schmerzhaft: Viele Menschen und Mitarbeitende in Unternehmen fühlen sich manchmal hilflos. Und am Ende steht eben das neue Normal, an das sich dann die meisten oder alle gewöhnt haben.

Die letzten Tage war ich mit meiner Frau in der Lüneburger Heide und im Harz wandern und habe ein wenig Bilanz gezogen. Wie waren denn nun die letzten anderthalb Jahre? Ziehe ich eine positive oder eine negative Bilanz?

Deine Veränderungs-Corona-Bilanz? Und: was lernst Du aus Corona?

  • Wie sieht Deine Corona-Bilanz aus?
  • Mehr positiv oder mehr negativ?
  • Kannst Du trotz der negativen Seiten positive Dinge wahrnehmen?
  • Kannst Du den Fehlschlägen und blöden Seiten von Corona etwas Positives abgewinnen?

Meine Corona-Change-Bilanz

Wie sieht meine Corona-Bilanz aus? Es gab auch bei mir heftige Rückschläge, auch finanzieller Art. Ätzend. Nervig. Unnötig. Dennoch ziehe ich eine positive Bilanz. Denn ich habe viel gelernt in der Zeit: Vor dem Lockdown hab‘ ich wöchentlich ein Online-Meeting mit einer Gruppe internationaler Führungskräfte gehabt. Heute mache ich jede Woche Trainings, Coachings oder Vorträge per Zoom. Zoom ist inzwischen mein bester Freund geworden. Anfangs hab‘ ich um die Zoom-Meetings noch einen großen Bogen gemacht, weil ich nicht wusste, wie das geht. Heute kann ich über meinen Widerstand, dieses Zoom nicht sofort richtig zu lernen nur herzlich grinsen. Doch so ist es im Change, oder? Wir haben erstmal keine Lust dazu, richtig mitzumachen und nach einer Weile ist es das neue Normal.

Was sind meine weiteren positive Errungenschaften dieses weltweiten Zwangschanges? Ich hab‘ mein Büro zu einem Video-Studio umgebaut. Viel Technik-Kram. So kann ich jetzt richtig gute Qualität abliefern.

Das wichtigste aber, was ich gelernt habe, ist, mich weniger zu sorgen und entspannter zu sein. Und mir ist wieder einmal klar geworden: Wir leben in einem unglaublichen Luxus. Ich lebe in einem unglaublichen Luxus. Trotz Unsicherheit dieses Virus. Mit Freunden. Mit einer gesunden Familie. Mit leckerem, gesunden Essen. Die Zeit ohne Restaurants und weniger Freizeitaktivitäten hat mich gelehrt, die schönen Momente noch mehr zu genießen. Ich genieße meinen Garten mehr, weil ich aktuell nur noch selten zu meinen Kunden reise. Zum ersten Mal seit Jahren denke ich über die Garten-Gestaltung bewusst nach. Ich genieße, den Keller weiter zu entrümpeln und die neue Übersichtlichkeit dort unten.

Außerdem ist mir klar geworden: Nur wenn ich intelligent mein Geschäft weiterentwickle, kann ich erfolgreich sein. Und: Ich lerne noch dazu, kann mich hier und dort noch optimieren und tue das eben auch, indem ich viele Bücher lese, YouTube-Videos und Online-Trainings konsumiere und so Stück für Stück besser werde.

Positives in Deinem Leben?

Was bedeutet für Dich Lebensqualität? Ich bin davon überzeugt, für die allermeisten Menschen in diesem Land ist die Lebensqualität gigantisch. Die gefühlte Lebensqualität hinkt allerdings bei vielen Menschen hinterher. Wenn wir uns das Positive bewusst machen, gelingen uns unsere großen Herausforderungen viel besser.

Das gilt ebenso in Change-Projekten in Unternehmen. Wenn uns bewusst machen, wie gut es uns tatsächlich geht, dann können wir mit Veränderungen auch viel offener umgehen.

Könnte meine Corona-Virus-Veränderungs-Bilanz auch negativ sein?

Ja, meine Bilanz könnte sehr leicht negativ ausfallen. Denn ich könnte auch eine lange Liste anfertigen mit großen Dingen, die in den vergangenen Monaten unschön waren. Umsatzrückgang, Unsicherheit im Business und ein drastischer Rückgang der sozialen Aktivitäten. Da könnte ich mich drüber ärgern und das gedanklich groß machen. Tue ich aber nicht. Rückblickend. Damals hab‘ ich mich natürlich nicht gefreut.

Lieber erkenne ich, was mir nicht gefällt und pack‘ es an. In Zeiten des Lockdowns haben wir uns im Winter mehrmals draußen am Feuerkorb getroffen. Weiterhin sind wir gewandert! Der Hermannsweg war ein Klacks – es folgten wunderschöne Wanderungen in den Alpen oder auch an der Mosel. Ohne Corona hätten wir das sicher deutlich seltener getan, weil wir sonst viel unterwegs sind. Ich bin mehr Fahrrad gefahren und unter der Woche zu Fuß im Grünen unterwegs gewesen als sonst, denn dabei können wir uns blendend unterhalten – sogar sicher mit Abstand.

Es geht also nicht darum, das Doofe zu ignorieren. Es geht darum, das Doofe zu identifizieren und dafür Lösungen zu finden. So ist das in jedem Change. Nicht aufgeben, sondern nach dem Hinfallen wieder aufstehen und weitermachen.

Im Change und in der Krise: Hingucken und bewusst lernen

Der entscheidende Punkt ist: Hingucken, was ich gelernt habe. Wie genau bin ich jetzt kompetenter oder stressrobuster? Wie genau kann ich mich verhalten, um plötzliche Veränderungen zu meistern?

Guckst Du hin? Schaust Du, was Du konkret gelernt hast in dieser heftigen Zeit? Ich bin mir sicher, da gibt es so einiges.

Einer der wichtigsten Punkte für mich ist dabei: Wir können es nicht allein schaffen. Mit Freunden, Familie und Kollegen geht Vieles viel besser.

Wer ist in Deinem Change-Team?

Wen hast Du an Deiner Seite, um Deine Change-Herausforderungen zu meistern?

Wie eng tauschst Du Dich mit Deinem Team, mit Deinen Kollegen und Freunden aus, um die täglichen großen und kleinen Herausforderungen zu meistern?

Gerade in Zeiten von Homeoffice und verstreut arbeitenden Teams ist der gefühlte Zusammenhalt im Team entscheidend für den Erfolg. Wie würden Deine Mitarbeiter und Kollegen das ‚Aktuelle Teamgefühl‘ auf einer Skala von 1-10 beurteilen? In meinen Team- und Führungskräftetrainings erlebe ich immer wieder, dass Führungskräfte das Thema „Teamgefühl trotz Distanz“ zu stiefmütterlich behandeln. Denn wir sind eben soziale Wesen und brauchen diese Kollegialität und den persönlichen Austausch mit unseren Kollegen. Viele sind sich dessen bewusst. Aber leider handeln nicht alle Führungskräfte entsprechend.

Und jetzt wünsche ich Dir, dass du mit den negativen Seiten von Corona sorgsam umgehst und Dir konkret überlegst, was Du daraus gelernt hast oder was Du beim nächsten Change anders machen wirst. Und ich wünsche Dir, dass Du Dir die positiven Seiten dieser letzten anderthalb Jahre bewusst machst und genießt.

Neue Beiträge in deinem Postfach