Blog #120 – Fortsetzung


Vor einiger Zeit stand ich privat vor einer Veränderung, die mich sehr emotionalisiert hat. Das wirkte sich auch auf mich als Unternehmer aus.

Sicher können Sie verstehen, dass ich in einem öffentlichen Blogbeitrag nicht im Detail darüber schreiben möchte, was bei mir privat los war. Aber ich möchte meine Erfahrungen aus dieser Zeit mit Ihnen teilen. Denn ich kann mir vorstellen, dass es anderen Unternehmerinnen und Unternehmern schon einmal ähnlich erging.

Ich merkte, wie sehr mich die Aufregung im Privaten emotional vereinnahmte. Es strahlte in alle Bereiche meines Lebens. Abends war ich oft so müde, dass ich nur noch auf dem Sofa liegen wollte.

Wo war meine Energie?

Das Alltagsgeschäft war kein Problem. Ich war wie gewohnt für meine Kunden & Geschäftspartner da, habe alle Aufgaben erledigt und alle anstehenden Projekte erfolgreich zum Abschluss gebracht. Das lief zum Glück problemlos.

Doch wenn es darum ging, mein Unternehmen voranzutreiben, war ich total blockiert. Ich hatte einfach keine Energie, war innerlich angespannt und fühlte mich unter Druck. Ideen und kreative Ansätze für das Arbeiten am Unternehmen statt im Unternehmen waren für mich schlicht nicht möglich.

Ich hatte mir in dieser Zeit zum Beispiel vorgenommen, unsere Positionierung zu schärfen. Ich hatte mir extra einige Stunden in meinem Kalender geblockt, um in Ruhe daran zu arbeiten. Als es soweit war, starrte ich nur auf das weiße Blatt Papier vor mir. Es kam nichts. Ein Flow-Zustand, wie ich ihn normalerweise kenne, war in weiter Ferne. Ich war ausgelaugt.

Ich übte selbst Druck auf mich aus

Als Angestellter hätte ich mir in so einer Situation womöglich ein paar Tage frei genommen, um zur Ruhe zu kommen. Ich fragte mich: Kann ich mir das als Unternehmer auch erlauben? Schließlich kreiere ich heute mein Morgen. Wenn ich heute nicht performe, habe ich morgen weniger Umsatz. Nach und nach merkte ich, wie sehr ich auf mich selbst Druck ausübte.

Was war los mit mir? Es dauerte mehrere Wochen, bis mir das wirklich klar wurde. Es hat mir geholfen, alles aufzuschreiben, was mich beschäftigte. Dann begann ich, mir tagsüber einfach mal „Auszeiten“ zu nehmen. Eine Stunde raus in die Natur.

Im Wald fand ich Ruhe

Wenn ich vor Herausforderungen stehe, spreche ich in der Regel viel mit meiner Familie und mit Freunden. Ich habe auch schon häufiger mit Coaches gearbeitet und dabei die Erfahrung gemacht, dass sie tolle Fragen stellen und Denkanstöße geben können. Doch in meiner Situation brauchte ich vor allem Ruhe, um meine eigenen Antworten zu finden. Diese geistige Ruhe fand ich in der Natur.

Bei einer dieser „Aufenthalte im Grünen“ wurde mir bewusst, dass ich die Kontrolle abgeben muss. Ich bin ein Perfektionist, ein typischer Kontrolletti. Während ich unterwegs bin, wurde mir klar, dass ich nicht immer alles kontrollieren kann. Und dass in meinem Privatleben auch einmal eine Frage unbeantwortet im Raum stehen darf. Diese Erkenntnis hat meine Blockade gelöst. Ich fühlte mich wie befreit.

Ich muss nicht ständig performen

Gleichzeitig konnte ich mir irgendwann eingestehen, dass ich nicht immer die Ressourcen habe, um mein Unternehmen voranzutreiben. Das war eine schwierige Erkenntnis für mich. Ich erwarte in der Regel viel von mir. Mir war nicht klar, dass ich auch einmal das Recht dazu habe, nicht 100 Prozent Gas zu geben.

Inzwischen weiß ich, dass solche Phasen zu meinem Leben dazugehören. Wenn mir eine Entwicklung im Privaten zusetzt, dann steht es mir zu, mich auch einmal erschöpft zu fühlen. Ich muss nicht immer performen. Diese Akzeptanz hat mir neue Kraft gegeben.

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